Stilanalyse Philip-Lorca diCorcia
Eine Analyse der cineastischen und lichtstarken Fotografien von Philip-Lorca diCorcia und der Versuch den Stil in Optionen für die Streetphotography zu übersetzen.
Für die Analyse starte ich im Feld „Picture“ und bewege mich zuerst nach rechts in „Story/Emotion“ und „Presentation“. Dort fülle ich das was die Wahrnehmung der Bilder ausmacht. Dann bewege ich mich nach links und erfasse zunächst was über das Vorgehen von diCorcia bekannt ist. In einem weiteren Schritt ergänze ich die Felder um persönliche Interpretationen und Ideen zu Stil und Umsetzung.
WAS DICORCIA AUSMACHT:
Einzelne menschen, wie von einem Bühnenscheinwerfer aus einer dunkleren Umgebung herausgehoben. Kühl, sauber, kinohaft, mit dem Gefühl "ist das echt? oder gestellt?"
DiCorcias Aufnahmen sind, zumindest in großen Teilen, akribisch inszeniert. Dennoch sind einige Serien auch an öffentlichen Plätzen mit nicht eingeweihten Passanten entstanden.
- zugängliche Optionen für eine Adaption in der Streetphotography
© Philip-Lorca diCorcia15
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Playground
- Hochfrequenz-Orte Berühmte Fotos von diCorcia sind am Times Square oder ähnlichen hoch frequentierten Orten entstanden an welchen sich die Bewegung der Passanten gut vorhersagen lässt
- Rolltreppen
- U-Bahn-Ausgang
- Zebrastreifen
- Schatten + Licht dunkleres Umgebungslicht + LightSpots damit Licht das Motiv heraushebt. Sonnenschneisen zwischen Häusern. Starkes Licht aus Schaufenstern oder Werbetafeln. Innenräume mit Licht aus Fenstern, Türen oder Strahlern.
- Option: Farbkontraste (Idee für Stiladaption in tägliche Streetphotography) Eine andere Option Protagonisten hervorzuheben wären bewährte Farbkontraste. Etwa ein gelbes Kleid in grau gekleideter Menschen-Masse.
- Trigger-Punkt definieren unscheinbare Markierung als "Bühnenmitte", auf die Fokus und Licht ausgerichtet ist.
- Protagonisten einzeln oder interagierend. diCorcia zeigt auf "spannende" Personen die bereits selbst zu Interpretationen führen. Gepaar mit einem Umfeld das den Protagonisten um eine weitere Interpretationsebene ergänzt, manchmal im Kontrast steht.
- anonyme Metropole eher austauschbare unpersönliche Orte. Keine Sehenswürdigkeiten oder persönlichen Umgebungen.
Activities
- Zone-Fokus nutzen
- Fishing in LightSpots Position bleibt fix; Der Fotograf wartet.
- Unauffällig bleiben eher Distanz halten. Bewusst kein Kontakt. Der Protagonist bleibt ungestört.
- Lichtsetzung Licht zu wählen (oder zu setzen) ist die eigentliche Aufwand. diCorcio hat in einer Serie sogar einen entfesselten Blitz aufgehängt.
- Belichtungseinstellungen gerade bei stärkeren Kontrasten muss die Belichtung der Kamera gut gewählt werden. Testaufnahmen können sich lohnen. Belichtung auf die Highlights.
- Konzept Konzept Konzept diCorcia hat Szenen akribisch ausgearbeitet und aufgebaut. Ein kontrollierter Rahmen, in dem Zufall stattfinden darf.
Ressourcen
- Teleobjektiv lange Brennweite komprimiert und erlaubt Distanz; isoliert das Subjekt
- Stativ fixer Ausschnitt; wiederholbare Bühne
- Blitz (off-Camera)
- Spotmessung an und auf die Highlights fokussieren. Manche Kameras (von der Ricoh GR weiß ich es) bieten auch eine highlight-fokussierte Belichtungsmessung an. Oder - Komplett manuell.
Pictures
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© Philip-Lorca diCorcia
Quelle:
https://a.1stdibscdn.com/philip-lorca-dicorcia-1951-american-photography-paris-for-sale/a_93/1681164415407/43352_master.jpg
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© Philip-Lorca diCorcia
© Philip-Lorca diCorcia
Quelle:
https://americansuburbx.com/wp-content/uploads/2011/09/PL_W_Nov2004.jpg
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© Philip-Lorca diCorcia Quelle: https://tse3.mm.bing.net/th/id/OIP.arU5vyp17_51m87MY9ivUAHaE3?pid=Api
- staged diCorcia steht genau auf der Grenze zwischen Dokumentarfotografie und inszeniertem Kino. Seine Bilder sehen aus wie zufällig erwischte Alltagsmomente, sind aber fast immer durchkomponiert, vorab geplant und vor allem künstlich beleuchtet. Er nennt das „documentary photography mixed with the fictional world of cinema and advertising". Die Spannung zwischen echt und gestellt ist sein eigentliches Thema die er, je nah Serie, mal stärker in dem Zufall überlässt ("Streetwork") und dann wieder komplett inszeniert ("a Storybook life").
- Hollywood-Flair Theatralische, fast barocke Lichtführung über banalen Alltagsszenen. Kühle Eleganz, „Hollywood-Glanz", psychologische Tiefe, Einsamkeit. Er stellt bewusst den „entscheidenden Moment" (Cartier-Bresson) infrage: Bei ihm ist der Moment nicht erwischt, sondern hergestellt.
- Mensch = König Die Menschen sind der wesentliche Akzent. Sie werden durch Licht herausgehoben.
- Serie Wiederholt mit gleichem Aufbau, gleicher Typologie, viele Subjekte.
- Streetwork Quelle: https://www.schirn.de/schirnmag/an-den-grenzen-der-street-photography/
- a storybook life Quelle: https://www.schirn.de/schirnmag/a-storybook-life/
Story / Emotion
- ist das echt? Identität, Isolation, das menschliche Dasein. Er thematisiert die „Vermarktung der Realität". Wann ist ein Mensch echt, wann Inszenierung, wann Ware? Das künstliche Licht zwingt den Betrachter, im scheinbar Beiläufigen genauer hinzusehen: Psychologie und Emotion im Alltäglichen.
- Innenleben ...im unbeobachteten Moment. Das Licht hebt Menschen hervor. Macht sie verletzlich.
- Identität / Würde die Identität der Menschen spielt bei diCorcio immer wieder eine Rolle. Alleine durch das Hervorheben Einzelner. Aber auch durch seine Serien wie Heads und Hustlers in denen Menschen und Personen als Ware und Bild dargestetllt sind.
Presentation
- Color-Grading gesättigt, kontrastreich, cineastisch, konsistent über die Serie, clean (wenig Korn); evtl. leicht "teal" in den Schatten.
- Serien ob als Fotobücher oder Galerie-Hängung
- Faktentitel diCorcia fügt bestimmten Serien bewusst Informationen als Teil des Werks hinzu. Diese Informationen geben dem Bild Kontext und eine Deutungsrichtung. (Hustler)
Customer
- Kunst-Publikum diCorcia geht in den Kunstdiskurs. Nicht zu den Street-Puristen die Inszenierung ablehnen.
- Der zweite Blick... wird belohnt. Die Inszenierung ist oft er beim zweiten oder dritten Hinsehen zu erkennen. Nein - zu vermuten.
- Werbung/Kino erkennen Betrachter Hollywood-Codes (Werbe- & Kino-Silistik) in dokumentarischen Motiven, dann macht das eine Spannung aus die zum Rätseln einlädt. Genau das ist gewollt.
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