Blick durch einen Spalt ins Innere der MEWA Arena, ein Fan auf dem Weg zu den Rängen
.stories · Fotoreportage

Heimspiel

Der Weg ins Stadion in Mainz · 24. Oktober 2026

Scroll

Samstag, 24. Oktober, Mainz, Spieltag gegen den SV Werder Bremen. Ich war nicht im Stadion, sondern davor. Im Rahmen eines Foto-Workshops bei Kai Behrmann, und mit einer einzigen Aufgabe: schauen, welche Geschichten sich rund um ein Fußballspiel finden lassen.

Also bin ich den Weg ins Stadion mitgegangen und hab gefragt, wer da eigentlich unterwegs ist.

Ankunft am Mainzer Hauptbahnhof, Silhouette mit Rollkoffer vor dem Ausgang West

Die erste Antwort kriege ich, bevor wir richtig angefangen haben. Kai demonstriert noch kurz „Wer fragt gewinnt." und spricht vor dem Bahnhof gleich mal eine Gruppe an, um Tipps zu bekommen, wohin wir in der Stadt gehen sollten. Die Damengruppe hat eigene Weinbecher mit. Bedruckt mit dem Schriftzug „Meeenzer Mädls". Warum Mainz? Weil hier alle gut gelaunt und entspannt sind, sagen sie. Mal sehen, ob das stimmt.

Rollkoffer mit Mainz-05-Aufkleber neben einem Blumenstand im Bahnhof

Der Spieltag gehört in Mainz erst mal der Stadt. Die Fans mischen sich unter die Leute und bringen Farbe auf die Straßen. Viele stehen vorher auf dem Weinfest am Schillerplatz, Pfälzer Wein im Glas.

Weinfest am Schillerplatz, Menschen unter weißen Zelten vor dem rosa Palais
Zwei Werder-Bremen-Fans mit grün-weißen Schals vor dem Staatstheater Mainz
Fans mit Schals schlendern an einem Gemüsestand in der Innenstadt vorbei

Als ich mir selbst eine Weinschorle hole, fällt mir ein Mainzelmännchen-Schal auf. Ich mag es, wenn Fan-Accessoires einen nicht kopierbaren lokalen Bezug haben. Sein Träger stellt sich gern vor die Kamera. Er kommt aus Ulm und geht dort auch regelmäßig ins Stadion. Trotzdem hat er eine Dauerkarte in Mainz. Zweieinhalb Stunden fährt er zu jedem Heimspiel. Heimspiel eben.

Junger Fan mit Mainzelmännchen-Schal und Weinglas am Weinstand

Aus Ulm, Dauerkarte in Mainz: zweieinhalb Stunden Anfahrt zu jedem Heimspiel.

Fremde ansprechen ist für mich jedes Mal eine Überwindung. An einem Tisch nimmt mir das jemand ab: Eine Cap spricht mich an, besteckt mit Pins verschiedener Vereine. Andenken an Auswärtsfahrten, erklärt ihr Träger. So sind wir im Gespräch, und ab da fällt es leicht. Er gehört zu einer Familie am Tisch. Sie feiern heute einen Geburtstag. Drei Generationen, die Älteste wird bald 90. Eine von ihnen ist Werder-Fan, die anderen drücken den 05ern die Daumen. Immer wenn sie in Mainz zusammenkommen, geht es gemeinsam ins Stadion. Ein Ritual. Während wir sprechen, wird die Gruppe immer größer.

Drei lachende Frauen in roten Jacken mit Weingläsern am Biertisch

Drei Generationen, ein Ritual: erst ein Wein in der Stadt, dann ins Stadion.

Ältere Frau mit roter Brille und Mainz-Trikot lacht am Weinfest
Zwei Frauen begrüßen sich mit einer Umarmung am Weinstand
Älterer Herr mit Pin-Cap und rot-weißem Schal lächelt in die Kamera
Schirmmütze auf dem Tisch, besteckt mit Pins verschiedener Fußballvereine

Pins von fremden Vereinen, Andenken an Auswärtsfahrten. So sind wir ins Gespräch gekommen.

50 Meter weiter komme ich mit drei Männern ins Gespräch. Zwei sind eigentlich 60er-Fans, einer hält es mit den Bayern. Wir reden uns warm über Fußballkultur, über Giesing und die Löwen, wo die Stimmung trotz Zwangsabstieg kaum euphorischer sein könnte. Heute gehen sie gemeinsam ins Stadion, Rot und Blau, und für neunzig Minuten sind sie Mainzer.

Drei Männer im Gespräch, einer zeigt etwas auf dem Handy

Eigentlich 60er und Bayern, heute gemeinsam in Mainz.

Vom Schillerplatz aus nehmen viele die Straßenbahn zum Stadion. Ich laufe zurück zum Bahnhof, eigentlich in der Hoffnung, dort noch ankommende Auswärtsfans zu treffen. Aber ich hab mich in der Stadt zu lange verquatscht. Also direkt rein in einen der Sonderbusse.

Fans mit Bierdosen und Mainz-Cap auf dem Bahnhofsvorplatz
Frau in roter Jacke mit MZ-Cap im Gedränge Richtung Haltestelle
Sonderbus mit Anzeige E Arena am Mainzer Hauptbahnhof

Sonderbus Richtung Arena. Jetzt sammeln sich die Fans.

In den Bussen wird es dann enger. Voll, dicht, die Lockerheit vom Schillerplatz ist weg. Jetzt sammeln sich die Fans, der Spieltag zieht sich zusammen auf dieses eine Ziel.

Hände an der Haltestange im vollen Bus

Immer wieder schnappe ich das Wort „Bruchweg" auf, obwohl dort doch seit 2011 nicht mehr gespielt wird. Die Arena liegt, wie so viele neue Stadien, etwas außerhalb, mit Bahn und Bus bestens angebunden. Mit dem Motorrad kann man fast bis vor den Eingang fahren. Hier am Parkplatz treffe ich einen Herrn, der den Verein besser kennt als die meisten hier. Seine Mitgliedskarte stammt aus den Siebzigern, die Dauerkarte hat er seit Jahren. Als Junge hat er selbst bei den 05ern gespielt. Sein größter Moment: ein A-Jugend-Vorspiel im Stadion, vor dem Spiel der Profis. So was vergisst man nicht.

Fans steigen aus dem Bus und strömen Richtung Arena
Fans überqueren eine Kreuzung im Industriegebiet auf dem Weg zum Stadion
Zwei Fans spiegeln sich in einer Pfütze auf dem Weg zur Arena
Fassade der MEWA Arena mit den Bannern Auf geht's Mainzer und Kämpfen und Siegen
Vor der Arena geparkte Motorroller, an einem hängt ein Mainz-05-Schal
Mit Aufklebern beklebter Pfeiler, daneben eine Frau in Werder-Jacke
Älterer Herr mit Mainz-Cap und Schal an seinem Motorroller vor der Arena

Mitglied seit den Siebzigern. Als Junge spielte er selbst im Stadion, beim A-Jugend-Vorspiel.

Im Stadion wird „You'll Never Walk Alone" gesungen. Dann Anpfiff gegen Werder Bremen. Drinnen geht es los, draußen wird es ruhig.

Einzelner Mann im ruhigen Stadionumlauf, Blick aufs Handy

Drinnen geht es los, draußen wird es still.

Ich sitze schon wieder im Bus, als es nach nur 25 Minuten den zweiten Strafstoß für Bremen gibt. Am Ende steht es 2:3. Immerhin: eine am Familientisch dürfte zufrieden sein.

Und die „Meeenzer Mädls" vom Bahnhof? Hatten recht. Gut gelaunt, entspannt, offen für alle.

Weite Ansicht der MEWA Arena mit Parkplatz und großem Himmel

In Mainz ist jedes Heimspiel
ein bisschen Heimkommen.

← Zurück zu .stories